Nachhaltigkeit: Grundlagen

"Wir alle sollten uns um die Zukunft sorgen,
 denn wir werden den Rest unseres Lebens dort verbringen."
Charles F. Kettering, amerikanischer Industrieller (1876 – 1958)

Obwohl der Begriff Nachhaltigkeit (Sustainability) in aller Munde ist, gibt es keine einfache Definition, die alle Sichtweisen einschließt. Zunehmend einig ist man sich indes, dass alles weitere nicht nachhaltige Handeln zu globalen, irreversiblen Schädigungen führen wird. Wie in vielen anderen Fällen zwingt erst die ökonomische Notwendigkeit (Verknappung, Verteuerung, Finanzkrise) zu einer Veränderung der Denkweise, wenn auch noch nicht immer zu nachhaltigem Handeln. Allerdings sind es gerade die höheren Kosten, die nach einer Umfrage des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswissenschaft und Organisation (Green Office 2014), noch 63 % der Befragten davon abhalten bspw. mehr in nachhaltige Gebäude zu investieren. Nachhaltiges Handeln ist aber eine generationsübergreifende Aufgabe und muss deshalb heute beginnen. Für viele Unternehmen ist eine Planung über diese Zeiträume aber noch nicht relevant oder sinnvoll darstellbar.

Trotzdem bergen die Megatrends der Nachhaltigkeit – Klimawandel, Ressourcenknappheit und demografischer Wandel – für alle Unternehmen und die globale Gesellschaft erhebliche Risiken. So trägt jedes Unternehmen seinen Teil der Verantwortung gegenüber der zukünftigen Gesellschaft (Corporate Social Responsibility). Nachhaltigkeits- und langfristig orientiertes Risikomanagement sind deshalb nicht nur probate Instrumente, sondern auch ganz im jeweiligen unternehmerischen Interesse.

REISS Umwelterklärung

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REISS Umwelterklaerung 2016
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REISS Nachhaltigkeitsbericht 2017

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REISS Nachhaltigkeitsbericht 2017
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Zertifizierung macht konkurrenzfähig

Obwohl laut Fraunhofer IAO (Green Office 2014) für 88 % der befragten Unternehmen immer noch die Imageverbesserung Ziel Nr. 1 für umweltfreundliches Handeln ist, gibt es mittlerweile auch konkrete ökonomische Aspekte für einen Paradigmenwechsel. Die Entwicklung ist hier national wie international sehr heterogen. Während Großbritannien bereits seit 1990 über ein Zertifizierungssystem für nachhaltiges Bauen – BREEAM – verfügt und die USA mit LEED 1998 nachzogen, ist die deutsche Nachhaltigkeits-Zertifizierung des DGNB erst seit 2009 im Einsatz. Die Systeme überschneiden sich zum Teil oder beziehen unterschiedliche Aspekte in die Bewertung mit ein. Dennoch bewerten sie alle nachhaltiges Handeln und werden zunehmend von öffentlichen und privaten Auftraggebern, Investoren, Analysten und Medien als Kriterium mit einbezogen. Eines der größten Projekte, an denen REISS in Europa beteiligt war, wurde beispielsweise nach LEED zertifiziert und konnte mit tausenden konformen Arbeitsplätzen ausgestattet werden.

Für die Büromöbelindustrie mit relativ geringer Fertigungstiefe nehmen die Zulieferer besonderen Einfluss auf den „Nachhaltigkeitsstatus“ der Fertigprodukte. Allgemein anerkannte Zertifizierungen wie PEFC oder FSC bieten hier sehr gute Selektionsmöglichkeiten. Beide Forstzertifikate stellen hohe Anforderungen an die Nachhaltigkeit, die Umweltverträglichkeit der Waldbewirtschaftung, die Arbeitsqualität und an die soziale Kompetenz der Forstbetriebe. Sie erfüllen beide die Kriterien der EU-Kommission: Freiwilligkeit, unabhängige Überprüfung, Transparenz, Kosteneffizienz und offener Zugang. 1

Die Zertifizierung des „CO2-Fußabdrucks“ als Corporate Carbon Footprint (CCF) oder Product Carbon Footprint (PCF) ist dagegen nicht unumstritten. Auf Basis der Ökobilanz-Norm 14040 werden hier die CO2-Emissionen entlang der Wertschöpfungskette des Unternehmens bzw. eines Produktlebens erfasst und bewertet. Die Zertifizierung des Carbon Footprint bietet aber eine gute Grundlage sich als klimaneutral produzierendes Unternehmen zu profilieren. 2

Ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem nach ISO 14001 oder darüber hinaus nach EMAS Standards ist heute fast schon zwingend für die konkurrenzfähige Teilnahme am Marktgeschehen.

Auf die nachhaltige Gestaltung der Produkte nehmen die Büromöbelhersteller vor allem durch die Konstruktion, das Design und die Verarbeitungsqualität Einfluss. Langlebigkeit, Trendresistenz und Wiederverwertung sind hier die Ziele. Prof. Dr. Michael Braungart, Gründer von EPEA (Environmental Protection Encouragement Agency) lobte, vielleicht ein wenig zu euphorisch, schon 2010 die Büromöbelhersteller: „[...] hat sich ja praktisch die ganze Branche bereits auf Cradle to Cradle umgestellt“. 3

Mit einer von der femb initiierten Zertifizierung „level“ existiert seit 2015 eine quasi übergeordnete Zertifizierung für Büro- und Objektmöbel. Diese Zertifizierung bewertet, anders als bspw. der Blaue Engel der eine selektierte „besser als andere“ Aussage trifft, Nachhaltigkeit im Komplex. Sie beinhaltet Anforderungen, die in die Wirkungsbereiche Materialien, Energie und Atmosphäre, Gesundheit von Mensch und Ökosystem sowie soziale Verantwortung unterteilt werden. “level“ bezieht die in den einzelnen europäischen Ländern bereits vorhandenen Umwelt- und Nachhaltigkeitszeichen in die Zertifizierung mit ein. Das gilt für Schadstoffanalysen genauso wie für EMAS oder ISO 14001-Prüfungen.

Fazit

Nachhaltigkeit erfordert heute komplexes unternehmerisches Handeln aus Sicht der sozialen Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Viel erfolgt auf freiwilliger Basis aber auch durch den Druck der öffentlichen Meinung und den sich wandelnden Ansprüchen der Verbraucher. Dennoch muss sich das ökologische Engagement für die Unternehmen auch ökonomisch rechnen. Prüfsiegel bestätigen und zeichnen umweltfreundliches, nachhaltiges Verhalten aus. Zum Teil bereits vorausgesetzt, bringt die Zertifizierung heute schon Wettbewerbsvorteile. Außerdem nimmt nach Fraunhofer IAO (Green Office 2014) das Interesse an ökologisch verträglichen Innenausstattungen weiter zu. Derzeit achten beim Kauf von Büromobiliar 47 % der Unternehmen auf Nachhaltigkeit. Weitere 20 % planen, dies in den nächsten zwei bis drei Jahren zu tun. Durch die Zertifizierungen und die Förderung des Engagements der Unternehmen zur ökonomischen und ökologischen Nachhaltigkeit wurden beste Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung auf dem Büromöbelmarkt geschaffen. Diese gilt es jetzt zu nutzen und weiterzuentwickeln.

Nachhaltige Sichtweisen

Historisch
Als "Vater" der Nachhaltigkeit wird oftmals der Freiberger Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1645–1714) bezeichnet. Nach von Carlowitz sollte in einem Wald nur so viel abgeholzt werden, wie im Wald in absehbarer Zeit auf natürliche Weise nachwächst. Mit diesem Grundsatz wollte er schon vor über 300 Jahren sicherstellen, dass sich ein natürliches System in seinen wesentlichen Eigenschaften langfristig selbst erhält. 4

Gesellschaftlich
In der oft verwendeten Beschreibung aus dem sog. Brundtland-Bericht der Vereinten Nationen von 1987 heißt es „Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die gewährt, dass künftige Generationen nicht schlechter gestellt sind, ihre Bedürfnisse zu befriedigen als gegenwärtig lebende.“. 5

Wirtschaftlich
Einer wirtschaftlich ausgerichteten Definition zufolge, bedeutet Nachhaltigkeit „[...] nicht Gewinne zu erwirtschaften, die dann in Umwelt- und Sozialprojekte fließen, sondern Gewinne bereits umwelt- und sozialverträglich zu erwirtschaften." 6

Dieser Erklärungsansatz ergänzt Nachhaltigkeit um die Komponente der "Selbsterhaltung". Entscheidend ist dabei, dass die nachhaltige Entwicklung nicht durch finanzielle Förderung unterstützt werden soll, sondern sich vielmehr selber finanzieren muss. Der nachhaltigen Entwicklung ist nicht geholfen, wenn die Mittel für Investitionen auf eine Weise gewonnen wurden, die dem Gedanken der Nachhaltigkeit widersprechen.

Ökologisch
Die ökologisch geprägte Definition (nach Herman Daly) impliziert nicht nur den Schutz natürlicher Ressourcen, sondern bezieht auch die begrenzten Kapazitäten von Mensch und Natur mit ein. So darf das Niveau der Abbaurate erneuerbarer Ressourcen die eigene Regenerationsrate nicht übersteigen. Der Verbrauch nicht regenerierbarer Ressourcen muss allerdings durch eine entsprechende Erhöhung des Bestandes an regenerierbaren Ressourcen kompensiert werden. Das Niveau der Emissionen darf dabei nicht höher liegen als die Assimilationskapazität. 7

 

Quellen:

1 Informationen für die Forstpraxis www.waldwissen.net
2 www.tuev-sued.de
3 Zeitschrift „Das Büro“ (Sonderausgabe „Green Office 2010“)
4 Lexikon der Nachhaltigkeit www.nachhaltigkeit.info
5 Hauff, V. (1987): Unsere gemeinsame Zukunft - Der Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung. Greven: Eggenkamp.
6 Pufé,I. (2014): Was ist Nachhaltigkeit? Dimensionen und Chancen. In: Bundeszentrale für politische Bildung (2014): Aus Politik und Zeitung - Nachhaltigkeit (APuZ). Jahrgang 64, S.16.
7 Hardtke, A./ Prehn, M. (2001): Perspektiven der Nachhaltigkeit - Vom Leitbild zur Erfolgsstrategie. Gabler: Wiesbaden.

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